Eine kurze geschichtliche Chronik der Marienkapelle Ludwigsstadt
von Siegfried Scheidig
Zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts
Unter der Regierung des Grafen Otto von Orlamünde, des Herrn auf Lauenstein, entsteht ein Vorgängerbau der heutigen Marienkapelle. Das Fundament dieses Bauwerkes wurde 1988 archäologisch nachgewiesen.
1488
Errichtung des heute noch bestehenden Rundbaues.
1584
Erste schriftliche Erwähnung der Kapelle, die der heiligen Maria geweiht ist. Der Ludwigsstädter Ratswirt Peter Frank erwirbt die Kapelle von den Rittern von Thüna auf Lauenstein. Er baut sie zu einer Schänke und Wohnung aus. Die Marienkapelle wird in diesem Jahr profaniert.
1589
Die Kapelle geht nach langwierigem Streit um die Besitzansprüche, gegen Erstattung der Baukosten an Peter Frank, in den Besitz der Gemeinde Ludwigsstadt über. Sie wird fortan als Armenhaus und Spital genutzt.
1762
Verkauf der Kapelle an den Schuhmachermeister Georg Valentin Rauh.
1789
Johann Christian Meinhardt, Nagelschmied aus Wallendorf in Thüringen, erwirbt die Kapelle und richtet eine
Huf- und Nagelschmiede darin ein. Diese wird von der Familie Meinhardt fast 200 Jahre lang betrieben.
Ende des 19. Jahrhunderts
Zahlreiche phantasievolle Veröffentlichungen zur Geschichte der Kapelle versuchen ein sehr hohes Alter des Bauwerkes zu belegen.
1900
Eine Grabung des Generalkonservatoriums in Bayern an der Außenwand der Kapelle liefert den Beweis, daß die vermutete Krypta unter der Schmiede nicht vorhanden ist. Dieses Ergebnis wird aber später, selbst von Fachleuten, einfach ignoriert.
1905 — 1958
Von ihrer Heirat 1905 bis zu ihrem Tod 1958 lebte die Ludwigsstädter Heimatdichterin Rosa Meinhardt, geb. Tübel, in der Marienkapelle.
1907
Der Schmiedemeister Ludwig Meinhardt führt umfangreiche Baumaßnahmen an und in der Kapelle durch. Das viereckige Krüppelwalmdach wird durch ein achteckiges Fachwerkgeschoß mit Zeltdach ersetzt.
1986
Die Stadt Ludwigsstadt kauft die Marienkapelle von den Erben der Familie Meinhardt.
1987
Ein verformungsgerechtes Aufmaß des Bauwerkes wird erstellt. Eine Befunduntersuchung der historischen Bausubstanz durch den Restaurator Siegfried Mühlbauer aus Regensburg schließt sich an.
1988
Das Landesamt für Denkmalpflege läßt eine archäologische Grabung in und an der Marienkapelle durchführen.
1993/1994
Die Kapelle wird restauriert und saniert. Die nachträglichen Einbauten im Erdgeschoß werden entfernt, das Fachwerk freigelegt und die Dachkonstruktion erneuert.
Dezember 1994
Einweihung der wiederhergestellten Marienkapelle.
September 1995
Die Kapelle geht in den Besitz der Hermann-Söllner- Stiftung über.
November 1995
Einweihung der Rosa-Meinhardt-Stube, der Isidor-Wilhelm- und Prof.-Hermann-Wilhelm-Stube und des Stadtarchivs. Ausstellung zur Geschichte der Marienkapelle. Die Marienkapelle ist nun Sitz der Hermann-Söllner- Stiftung.
Quelle: Festschrift Einweihung der Rosa Meinhardt Stube & Übergang der Kapelle an die Hermann Söllner-Stiftung 1995